Insekt des Jahres

Insekt des Jahres 2019: Rostrote Mauerbiene

Die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) ist ein echter Frühlingsbote – sobald die auffallend pelzig behaarte Wildbiene auftritt, ist die Zeit der andauernden Fröste vorüber und Frühjahrsblüher, wie Krokusse oder Schneeglöckchen recken ihre Knospen der Sonne entgegen.

„Mit der Rostroten Mauerbiene wurde die zweite Bienenart als ‚Insekt des Jahres’ gekürt. Wir möchten mit dieser Wahl auch auf das Artensterben der Wildbienen aufmerksam machen – auch wenn unser Jahresinsekt bisher nicht als gefährdet gilt“, erläutert Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und Vorsitzender des Auswahl-Kuratoriums. „Auch wollen wir generell auf die hohe Bedeutung der Bestäubung als Ökosystemdienstleistung hinweisen, die für unsere Nahrungsmittelproduktion äußerst wichtig ist“, fügt der Wissenschaftler hinzu.

Quelle:
Ein Männchen der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) © Paul Westrich
https://www.dgaae.de/de/insekt-des-jahres.html

„Rund 700 Wildbienenarten leben bei uns in Mitteleuropa. Sie alle spielen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. Die Natur, die Kulturlandschaft, wir Menschen brauchen sie – als unersetzbare Bestäuber in einem gesunden und produktiven Ökosystem. Für ihren Schutz müssen wir ‚grenzenlos‘ denken. Deshalb habe ich sofort zugesagt, Schirmherrin für die Rostrote Mauerbiene, das Insekt des Jahres 2019 für Österreich, Deutschland und die Schweiz zu werden“, so die österreichische Umweltministerin Elisabeth Köstinger.

Aufgrund ihres Nistverhaltens ist die Rostrote Mauerbiene häufig in der Nähe menschlicher Behausungen zu finden. Die etwa 8 bis 14 Millimeter großen Insekten nutzen vorhandene Hohlräume in Trockenmauern, Löß- und Lehmwänden, aber auch in Totholz, lockerem Gestein und zahlreichen anderen Strukturen, um darin ihre einzelnen gemörtelten Brutnester anzulegen. „Nester dieser Biene wurden schon in Türschlössern, in der Plastikhülle eines Rolladenstoppers und sogar in einer Holzflöte gefunden“, ergänzt Schmitt.

Dabei geht von der an eine schlanke Hummel erinnernden Biene aber keine Gefahr aus. Schmitt hierzu: „Die Rostroten Mauerbienen sind nicht zum Stechen aufgelegt – das ‚Zusammenleben’ mit dem Menschen ist kein Problem. Im Gegenteil: Die Biene bietet die Gelegenheit den Lebenszyklus eines Insekten ganz aus der Nähe zu beobachten.“ 
Pro Jahr entwickelt sich eine Generation dieser Mauerbienen: Die Weibchen legen im Frühjahr die mit Pollen gefüllten Nisthöhlen an, in denen sich die Larven bis August zu erwachsenen Bienen entwickeln. In diesem Zustand verharren sie bis zum nächsten Frühjahr, um sich dann mit ihren kräftigen Kiefern aus dem verschlossenen Nest zu nagen. Dort warten bereits die männlichen Tiere zu Paarung und der Zyklus beginnt erneut.


Ein Mauerbienenweibchen bei der Nahrungssuche an Goldlack (Erysimum cheiri). © Paul Westrich

Der wissenschaftliche Namenszusatz des Jahresinsekts – bicornis, lateinisch für zweihörnig – leitet sich von einem eindeutigen Erkennungsmerkmal ab: Die weiblichen Tiere tragen zwei spatelartige Hörnchen am Kopf, die zur Ernte von Blütenpollen dienen. Hierbei sind die Mauerbienen nicht auf eine bestimmte Pflanze angewiesen, es gibt kaum eine Blütenpflanze deren Pollen Osmia bicornis nicht einträgt. Viel entscheidender ist dagegen der Umfang des Pollenangebotes und die Verfügbarkeit in Nestnähe – auch damit die Bienen ihre wichtige Aufgabe als Bestäuber wahrnehmen können.

„Die Rostrote Mauerbiene gilt bisher als ungefährdet – dennoch steht sie, wie alle Wildbienenarten, unter Schutz“, erläutert Schmitt und gibt einen Tipp, wie der Erhalt der Bienenart unterstützt werden kann: „Unser ‚Insekt des Jahres’ freut sich im Frühjahr über Nistplatzangebote. Diese ‚Insektenhotels’ lassen sich auch prima selbst herstellen und bieten eine gute Gelegenheit Kinder an das Thema Insektenschutz heranzuführen!“.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.